Schriftenreihe des Arheilger Geschichtsvereins

 

Arheilger Geschichtsverein (Hrsg.) Streiflichter auf die Geschichte und Gegenwart Arheilgens. Schriftenreihe Band 2, Darmstadt Justus von Liebig Verlag 2012
Arheilger Geschichtsverein (Hrsg.)
Schwarzer Karl. Ein mutiger Arheilger trotzt den Nazis. Pfarrer und Oberkirchenrat Karl Grein.
Schriftenreihe Band 1,
Darmstadt Justus von Liebig Verlag 2011

Vorstellung des 1. Bandes der Schriftenreihe des Arheilger Geschichtsvereins

Auf dem Bild von rechts zu sehen: Oberkirchenrat Dr. Klaus-Dieter Grunwald, Hans-Heinrich Herwig (Schwiegerenkel von Karl Grein), Peter Benz, Pfarrer Harald Marks, Frau Grünewald, Horst-Adalbert Härter, Gerhard Korreng, Prof. Dr. Helmut Castritius und Ludwig Jäger.

Foto von Michael Jeder - 15. Juni 2011

„Schwarzer Karl“: Ein mutiger Arheilger trotzt den Nazis

Pfarrer und Oberkirchenrat Karl Grein

Mit diesem Titel eröffnet der Arheilger Geschichtsverein seine neue Schriftenreihe. Herausgeber sind Universitätsprofessor Dr. Helmut Castritius, Oberkirchenrat i. R. Dr. Klaus-Dieter Grunwald und Pfarrer Harald Marks. Sie möchten mit dieser 95-seitigen Schrift an den Arheilger Pfarrer und ersten Personalreferenten der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau (EKHN) Oberkirchenrat Karl Grein (1881 – 1957) erinnern. Karl Grein hat nicht nur als Gemeindepfarrer der Arheilger Auferstehungsgemeinde (1920 – 1950 ) bleibende Spuren in Arheilgen hinterlassen. Die Arheilger nannten ihren Pfarrer liebevoll „Schwarzer Karl" wegen seiner schwarzen Haare und seiner stets schwarzen Kleidung. Als immer ansprechbarer Gemeindepfarrer, treu sorgender Seelsorger und vor allem als mu-tiger Kämpfer der Bekennenden Kirche gegen die nationalsozialistische Kirchenleitung bleibt er in Arheilgen unvergessen. Nach dem 2. Weltkrieg gehörte Karl Grein zu den Gründungsvätern der EKHN. Eine Erinnerungstafel am Pfarrhaus der Auferstehungsgemeinde erinnert daran. Eine Straße in Arheilgen trägt seinen Namen.

Hans-Heinrich Herwig erinnert knapp und instruktiv an das Leben und Wirken Karl Greins als Gemeindepfarrer. Sein Leitspruch: "Helfen, raten, dienen" zieht sich wie ein roter Faden durch seine Tätigkeit in Arheilgen von der Weimarer Republik (1920) über die Nazizeit bis hin zur jungen Bonner Republik (ab 1949).

Kirchenpräsident Dr. Volker Jung knüpfte in seiner Festpredigt am 5. September 2010 in Arheilgen an diesen Leitspruch Karl Greins an. In einer Predigt im Jahre 1934 mahnte Karl Grein: „ Die Kirche darf sich nicht dem ihr von außen diktierten Geist unterwerfen. Sie muss nach ihrer inneren Bestimmung gebaut werden. Sie orientiert sich an Gottes Geist."

Professor Castritius, gebürtiger Arheilger, vermittelt in seinem Artikel den Leserinnen und Lesern einen prägnanten Überblick über die Kirchen- und Ortsgeschichte Arheilgens im 19. und beginnenden 20. Jahrhundert. Oberbürgermeister a. D. Peter Benz beleuchtet anhand zahlreicher Beispiele die facettenreiche Wandlung Arheilgens (1900 bis 1933) vom Bauerndorf zur Darmstädter Vorstadt. Oberkirchenrat i.R. Dr. Klaus-Dieter Grunwald erweitert das Bild: Nicht nur in Arheilgen trotzten ein mutiger Pfarrer und zahlreiche aufrechte Gemeindeglieder den Nazis, auch in Darmstadt widerstanden mehrere der insgesamt 17 Darmstädter evangelischen Gemeinden dem Regime. Die Evangelische Woche 1937 in der Paulusgemeinde wurde reichsweit bekannt und führte bei weiteren mutigen Pfarrern der Bekennenden Kirche in Darmstadt zu Verhaftungen und Repressalien.

Der Abdruck der von dem Historiker Peter Behr gestalteten Ausstellungstafeln zu Ehren von Karl Grein, eine Zeittafel über das Leben des Jubilars und eine mahnende Gedenkpredigt Karl Greins vom 29. April 1945 runden das gelungene und lesenswerte Erinnerungsbuch ab.