Auszug Gebäude, Orte und Ereignisse in Arheilgen
- Oarhelljer Köpp: „Im blauen Hemd, ein jeder uns kennt“ (Folge 4)von Jürgen Hein-Benz
Der Arheilger Geschichtsverein stellt in dieser Rubrik Menschen vor, die das Leben im Ort am Ruthsenbach prägten, den Alltag in besonderer Weise repräsentierten oder Leistungen erbrachten, die sie über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht haben. In einer kleinen Serie mit vier Folgen berichten wir nun über Käthe Langendorf, ihre Familie, über das Milieu, das sie prägte, vor allem über die Arbeiterwohlfahrt und die Falken:
Käthe Langendorf und die Roten Falken an der Dianaburg
(jhb) Im Arheilger Wald hinter dem Forsthaus Kalkofen steht die Dianaburg. Der Hessische Großherzog Ludwig III. ließ den Biedermeier – Pavillon 1836 errichten. So steht es auf einer Tafel, mit der Hessen-Forst über die Geschichte der Dianaburg informiert.
Ein wesentlicher Abschnitt aus der jüngeren Geschichte der Dianaburg wird auf dieser Informationstafel nicht erwähnt: 1952 begannen junge Arheilgerinnen und Arheilger der Sozialistischen Jugend Deutschlands-Die Falken den damals verwahrlosten Jagdpavillon in Eigenhilfe zu renovieren. Die Dianaburg wurde zum Ort ihrer Gegenwelt. Von 1954 bis Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts trafen sich dort am Waldrand Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Arheilgen und anderen Ländern Europas zu Pfingst- und Sommerzeltlagern.
Dieses Kapitel in der Geschichte der Dianaburg wurde maßgeblich durch das Engagement einer Arheilger Sozialdemokratin ermöglicht. Sie hieß Katharina Langendorf und wurde zeitlebens Käthe genannt.
Gruppenstunden im Wilhelm Leuschner-Haus
Wenn die Kinder und Jugendlichen der Arheilger Falken mit ihren Helfern nicht auf Fahrt waren, trafen sie sich wöchentlich zur Gruppenstunde. Sie spielten gemeinsam, sie bastelten, sie erklärten sich mit Unterstützung ihrer Helfer die Welt. Die ersten Gruppenstunden fanden im Keller der Carl-Ulrich-Schule (heute: Astrid-Lindgren-Schule) statt, dann im Saal in der Avemarie-Schule in der Hofgasse (heute: Awo-Kindergarten) und ab Oktober 1960 im Falkenheim in der Fuchsstraße.
Der Bau dieses Hauses war wieder der Zielstrebigkeit und Durchsetzungskraft Käthe Langendorfs zu verdanken. Mit größter Beharrlichkeit konnte sie Menschen für ihre sozialen Ziele einspannen. So wurde die Baugrube mit Eigenhilfe der vielen Falkenhelfer und -helferinnen ausgeschachtet. Mit breiter Unterstützung ihres Netzwerkes konnte das Falkenheim errichtet werden. Heute beheimatet es noch immer das Büro des „Rotzfrechen Spielmobils e.V., ein Verein, der von der SJD-Die Falken gegründet wurde.
„Erinnerte Geschichte war ein wichtiges Anliegen“
Der frühere hessische Innenminister, Gewerkschaftsführer und Widerstandskämpfer Wilhelm Leuschner, nach dem das Falkenheim auf Initiative Käthe Langendorfs benannt wurde, war für sie mehr als eine vorbildliche historische Persönlichkeit. Sein politischer Kampf war Teil ihrer Kindheit und Jugend. Sie hat ihn im Löwengarten Anfang der dreißiger Jahre bei politischen Kundgebungen erlebt, sie kannte Freunde von ihm, seine Hinrichtung war für sie ständige Mahnung wachsam gegenüber Faschismus und Gewaltherrschaft zu sein. Martina Völger, die Anfang der 70er Jahre schon mit neun Jahren zu Käthe in die Gruppenstunde ging, berichtet: „So waren Fleischerhaken oder ähnlich aussehende Haken in ihrem Umfeld und bei den Falken strikt verboten, da Wilhelm Leuschner in Berlin-Plötzensee nach dem gescheiterten Attentat auf Hitler am 20.Juli 1944 an einem Fleischerhaken aufgehängt und hingerichtet worden war.“
Käthe erteilte nicht einfach Verbote, sie erklärte auch Zusammenhänge. Martina Völger erfuhr durch Käthe, dass auch ihr Großvater 1933 von den Nazis im Konzentrationslager Osthofen interniert war. Ihr Opa war Wilhelm Lutz, Käthes Helfer bei den Kinderfreunden. „Erinnerte Geschichte war ihr ein wichtiges Anliegen, das sie allen jungen Menschen bei den Falken vermittelt hat,“ so Martina Völger.
Der Falken-Spielplatz am Alten Wixhäuser Weg
Bei den Arheilger Falken war mittlerweile fast die ganze Familie Langendorf eingespannt: Bis Anfang der 70iger Jahre betreute Käthes Mutter, Anna Katharina Büttner, den Falken-Spielplatz am Alten Wixhäuser Weg, ein Spielort, wo auch kleinere Kinder im Sand buddeln und toben konnten. Ansonsten gab es damals kaum gut ausgestattete Spielplätze.
Gerd Langendorf war Helfer für die Roten Falken, die 10 bis 14jährigen Kinder, die einen eigenen Sprecher wählten. Dieser sprach mit seinem Helfer Gerd das Programm der Gruppenstunden ab. Darin ging es dann auch um Fragen von Krieg und Frieden oder um die Bedeutung einer Demokratie oder wie Schule besser gemacht werden kann. Die Kinder sollten lernen, ihre Interessen zu erkennen und zu vertreten. Schließlich war die omnipräsente Käthe als treibende organisatorische Kraft und analog wirkende „Influencerin“ aktiv: „Man muss den Verantwortlichen auf den Geist gehen. Sonst wird’s nichts“, betonte sie immer wieder.
„Damals gab es in Arheilgen viele Familien, die sich bei den Falken engagierten“, berichtet Martina Völger. Allerdings konnte Käthe mit zunehmendem Alter „nur schwer abgeben und jüngere Menschen selbst Verantwortung übernehmen lassen … In späteren Jahren bin ich an ihrer Dominanz gescheitert und letztendlich zu den Falken nach Darmstadt gewechselt, weil ich mich dort mehr einbringen und mitgestalten konnte“, berichtet Martina Völger weiter.
Bei den Darmstädter Falken traf sie Roland Klapprodt, der mit Käthe Ende der 60er an Zeltlagern in England teilnahm und Anfang der 70er Jahre Arheilgen verlassen hatte. Er hatte mit Gleichaltrigen in Bessungen einen Ortsverband der Kinder- und Jugendorganisation wiedergegründet. Von der Studenten- und Schülerbewegung politisiert, wollten viele Jugendliche ihr eigenes Ding machen – auch bei den Falken, selbstverwaltet ohne die Altvorderen. So schlief die aktive Gruppenarbeit mit Kindern und Jugendlichen im „Leuschner-Haus“ vorerst ein.
Generationenwechsel bei den Arheilger Falken
Erst 1995 wurde bei den Arheilger Falken der Generationenwechsel vollzogen und Käthe Langendorf im Vorsitz abgelöst. Zeltlager fanden da schon lange nicht mehr an der Dianaburg statt. Schon 1982 wurden zwei Holzhütten mit dem gesamten Zeltlagermaterial von Randalierern zerstört. Weiteren Zeltlagern setzte aber auch die Forstverwaltung einen Riegel vor. 1990 schließlich wurde der Pachtvertrag seitens des Forstamtes gekündigt. Helfer der neuen Falkengeneration beseitigten Mitte der 90er Jahre die traurigen Überreste der hölzernen Lagerschuppen, Wasch- und Toilettenanlage an der Dianaburg.
Der Seniorentreff Wilhelm Leuschner
Altersgemäß engagierte sich Käthe Langendorf nun in der Seniorenarbeit. 1982 gründete sie den Seniorentreff Wilhelm-Leuschner. Sie vernetzte ihre Seniorenarbeit mit Seniorentreffs in Darmstädter Partnerstädten in den Niederlanden, in England und Österreich. Sie organisierte Begegnungen der Senioren in Arheilgen und den Partnerstädten. Nach der Wiedervereinigung trafen sich die Senioren aus Arheilgen mit einem Seniorentreff in Weimar. Und weiterhin pflegte sie die Freundschaft mit den ebenfalls älter gewordenen Freundinnen und Freunden des Woodcraft Folks aus Enfield.
Käthe Langendorf wurde für ihr Lebenswerk mehrfach ausgezeichnet. 1979 erhielt sie die Freundschaftsplakette der Stadt Darmstadt, 1984 die Ehrenurkunde für verdiente Bürger, 1996 den Ehrenbrief des Landes Hessen und im März 2001 durfte ihr der damalige Oberbürgermeister Peter Benz, das Bundesverdienstkreuz am Bande überreichen. Käthe Langendorf starb am 20. Juli 2008.
Der Autor erhielt bei der Abfassung dieses Beitrages viel Unterstützung. Er dankt Ilse Lücker, Renate Göttmann, Peter Benz, Martina Völger und Roland Klapprodt, die ihre Erinnerungen mit ihm schriftlich oder mündlich geteilt haben. Gerd Langendorf hatte nach dem Tod seiner Mutter Unterlagen überlassen. Dieter Wenzel hat ein Interview mit Käthe Langendorf zur Verfügung gestellt. Im Archiv des Arheilger Geschichtsvereins und im Archiv zur Geschichte der Arbeiterjugendbewegung fanden sich einige Dokumente. Ein herzliches Dankeschön an Helmut Diedrichs, der die Fotos aufbereitet hat und dem Team der Arheilger Post.

Seit 1953 trafen sich an der Dianaburg immer wieder Kinder und Jugendliche der Arheilger Falken und der englischen Jugendorganisation „Woodcraft Folk“ aus Enfield. Anlässlich des 20 jährigen Jubiläums schrieb der damalige Oberbürgermeister H.W. Sabais 1974 in einem Grußwort, „daß solche Begegnungen junger Menschen verschiedener Nationen der richtige Weg sind, um Vorbehalte, Mißtrauen und Intoleranz in der Welt abzubauen.“(Foto: AAJB) 
Nach dem Sozialdemokraten und Gewerkschafter Wilhelm Leuschner (1890-1944) wurde das Falkenheim in der Fuchsstraße benannt. Es ist davon auszugehen, dass Käthe Langendorf zusammen mit ihrer Mutter Anfang Juni 1932 die SPD-Kundgebung zur Hessischen Landtagswahl im Arheilger Löwengarten besuchte. Wilhelm Leuschner hielt dort eine Rede. Er war damals Innenminister im Volksstaat Hessen und erbitterter Gegner der Nationalsozialisten. Leuschner war später aktiver Widerstandskämpfer und wurde nach dem Attentatsversuch auf Hitler vom 20.Juli 1944 in Berlin- Plötzensee hingerichtet (Foto: AGV). 
1958 wurde der Bau des Falkenheims in der Fuchsstraße beantragt. Es wurde weitgehend in Selbsthilfe errichtet. Seit Oktober 1960 trafen sich dort die Falkengruppen, Heute beherbergt es noch immer das Büro des Vereins des „Rotzfrechen Spielmobils e.V.“ (Foto: AGV) 
Anna Katharina Büttner, die Mutter Käthe Langendorfs, war auch im höheren Alter weiterhin für die „Falken“ aktiv. Sie besuchte die Zeltlager und bis Anfang der 70er Jahre betreute sie den Spielplatz, den die Falken am Alten Wixhäuser Weg für jüngere Kinder angelegt hatten (M.Völger/AGV). 
Im März 2001 erhielt Käthe Langendorf im Alter von 81 Jahren für ihr Lebenswerk das Bundesverdienstkreuz aus den Händen von Oberbürgermeister Peter Benz. Damals stand in der Arheilger Post: „Käthe Langendorf ist ein Oarhelljer Kopp, der nichts anderes als Andere im Sinn hat.“(Foto: APO/I.Lücker) - Oarhelljer Köpp: „Im blauen Hemd, ein jeder uns kennt“ (Folge 3)von Jürgen Hein-Benz
Der Arheilger Geschichtsverein stellt in dieser Rubrik Menschen vor, die das Leben im Ort am Ruthsenbach prägten, den Alltag in besonderer Weise repräsentierten oder Leistungen erbrachten, die sie über die Ortsgrenzen hinaus bekannt gemacht haben. In einer kleinen Serie mit vier Folgen berichten wir nun über Käthe Langendorf, ihre Familie, über das Milieu, das sie prägte, vor allem über die Arbeiterwohlfahrt und die Falken:
Käthe Langendorf und die Roten Falken an der Dianaburg
(jhb) Im Arheilger Wald hinter dem Forsthaus Kalkofen steht die Dianaburg. Der Hessische Großherzog Ludwig III. ließ den Biedermeier – Pavillon 1836 errichten. So steht es auf einer Tafel, mit der Hessen-Forst über die Geschichte der Dianaburg informiert.
Ein wesentlicher Abschnitt aus der jüngeren Geschichte der Dianaburg wird auf dieser Informationstafel nicht erwähnt: 1952 begannen junge Arheilgerinnen und Arheilger der Sozialistischen Jugend Deutschlands-Die Falken den damals verwahrlosten Jagdpavillon in Eigenhilfe zu renovieren. Die Dianaburg wurde zum Ort ihrer Gegenwelt. Von 1954 bis Anfang der 80er Jahre des letzten Jahrhunderts trafen sich dort am Waldrand Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene aus Arheilgen und anderen Ländern Europas zu Pfingst- und Sommerzeltlagern.
Dieses Kapitel in der Geschichte der Dianaburg wurde maßgeblich durch das Engagement einer Arheilger Sozialdemokratin ermöglicht. Sie hieß Katharina Langendorf und wurde zeitlebens Käthe genannt.
Die jüngste sozialdemokratische Stadtverordnete
Gleich nach der Befreiung vom Faschismus trafen sich die Sozialdemokraten wieder in Schneiders Bierhalle – so die Erinnerung Käthe Langendorfs. Als 25jährige junge Frau konnte sie nun in die Partei eintreten. Die offizielle Wiedergründung der SPD in Arheilgen fand am 12. August 1945 statt und Käthe Langendorf hielt unter Anwesenheit des späteren hessischen Innenministers Heinrich Zinnkann ihre erste Rede in einer Parteiversammlung.
In der ersten freien Wahl zur Darmstädter Stadtverordnetenversammlung am 26. Mai 1946 wurden die Arheilger Sozialdemokraten Kurt Ziegs und Bezirksverwalter Jakob Wolf zu Stadtverordneten gewählt. Für die damalige Zeit war es eine kleine politische Sensation, dass auch die „Jungsozialistin“ Käthe Langendorf, nominiert von Darmstädter Genossen, als jüngste Mandatsträgerin in die Stadtverordnetenversammlung einziehen konnte.
Sie hatte sich durch ihr Engagement bei der AWO und der Kinder- und Jugendarbeit bei den Falken einen Namen gemacht: In den Besatzungszonen hatten ehemalige Mitglieder der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) und der Kinderfreunde den „Jugendbund Freundschaft“ gegründet. Er knüpfte an die Tradition der in der Weimarer Republik getrennten Organisationen an. In Konzession zu den Besatzungsmächten wurde zunächst ein unpolitischer Name gewählt. Im Juli 1946 benannte sich der Kinder- und Jugendverband dann in die „Sozialistische Jugend Deutschlands-Die Falken“ um. In Arheilgen und in mehreren Stadtvierteln Darmstadts entstanden Kinder- und Jugendgruppen, in der Darmstädter Pankratiusstraße gab es ein Koordinationsbüro, das Käthe Langendorf leitete. In Arheilgen waren Georg Mampel (II), Jakob Hahn, Heinrich Döbel, Georg Klapproth und Kurt Ziegs besonders aktiv.
Familie, Arbeit, Ehrenamt
1947 vergrößerte Käthe ihre kleine Familie um das Pflegekind Britta. Sie erledigte ein schier unermessliches Arbeitspensum in der Familie, als Stadtverordnete im Wohnungs-, Sport- und Schulausschuss, in den Vorständen der AWO und der Falken – seit 1951 als deren Arheilger Vorsitzende – und auch beim Sozialverband der Kriegsgeschädigten, Hinterbliebenen und Sozialrentner (heute: VdK).
Ab 1951 arbeitete Käthe Langendorf im Büro der IG Metall Darmstadt. Fritz Wernath (1899-1964) war dort der 1. Bevollmächtige der Industriegewerkschaft. Er kam unmittelbar nach dem Krieg für den Aufbau der IG Metall nach Darmstadt, wohnte in Arheilgen und war dort seit 1948 Vorsitzender der SPD. Im April 1949 gehörte er zu den Mitgründern der Arheilger Baugenossenschaft. Wernath wurde 1952 in die Stadtverordnetenversammlung gewählt. Seine parteipolitische Karriere ging weiter bergauf: Er wurde 1956 zum Stadtverordnetenvorsteher gewählt,
Käthe Langendorf legte kurze Zeit später ihr Stadtverordnetenmandat nieder und konzentrierte sich mehr denn je auf die ehrenamtlichen sozialen und jugendpolitischen Tätigkeiten bei der Arbeiterwohlfahrt und den Falken. Inzwischen hatte sie auch beruflich in das Büro der Falken in Frankfurt gewechselt, später arbeitete sie im SPD-Bezirksverband in Frankfurt und der Arbeiterwohlfahrt im Bereich Kurverschickung.
Erstes Zeltlager an der Dianaburg
1954 bauten die Falken erstmals ihre Zelte im Arheilger Wald auf der Wiese neben der Dianaburg am Waldrand zum Lager auf. Mit Unterstützung der Arheilger Handwerker und Geschäftsleute, der Feuerwehr und zahlreichen Helfern konnte die Dianaburg renoviert, die Infrastruktur für ein Zeltlager von einer Küche im Holzschuppen bis zur Waldtoilette errichtet werden. Wasser wurde in den Anfangsjahren des Zeltlagerlagerplatzes täglich von der Feuerwehr bereitgestellt.
Neun Jahre nach Kriegsende empfingen die Arheilger Falken schon im ersten Zeltlager Kinder und Jugendliche der englischen Partnerorganisation „Woodcraft Folk“. Den Kontakt zwischen den Arheilger Falken und dem Woodcraft Folk aus Enfield entwickelte sich 1953. In diesem Jahr reiste Käthe mit einer 13-köpfigen Gruppe Arheilger Falken in ein Zeltlager nach New Forest. Vermittelt wurde der Zeltlagerbesuch u.a. von Lily Pringsheim (1887-1954), sie war bis 1933 sozialdemokratische Landtagsabgeordnete im Volksstaat Hessen, und dem Darmstädter SPD-Bildungspolitiker und Schulrat Artur Bratu (1910-1993), der nach seiner erzwungenen Flucht aus Nazideutschland, in belgischen Widerstandsgruppen aktiv war, die englische Staatsbürgerschaft erhalten hatte und in der britischen Armee als Geheimdienstoffizier eingesetzt war. Pringsheim, Bratu und Freunde aus der englischen Arbeiter- und Genossenschaftsbewegung konnten unter den Einheimischen und dort noch lebenden deutschen Emigranten die Vorbehalte gegen die Teilnahme deutscher Kinder und Jugendlicher aus dem Weg räumen.
Freundschaft umspanne die Welt
Im Zeltlager in New Forest lud Käthe das Woodcraft Folk aus Enfield für ein Zeltlager nach Arheilgen ein. „Span the world with Friendship“, das Leitmotiv des Woodcraft Folks sollte nun auch Arheilgen umfassen. Bereits im gleichen Jahr erfolgte der erste Besuch einer Gruppe, um das Terrain für das kommende Zeltlager in Deutschland zu erkunden. Daraus entstanden lebenslange Freundschaften unter den Kindern und den erwachsenen Helfern beispielsweise zu Muriel und Robert „Bob“ Russel.
Zu den englischen Kindern, die Arheilgen 1953 und 1954 besuchten, gehörte Carol Hopewood. Als ihr Vater in seiner Familie erzählte, Carol werde Westdeutschland besuchen, stieß er auf Entsetzen. Obwohl die Bundesrepublik im Kalten Krieges auf der gleichen Seite stand, waren „The Germans“ vielen Engländern weiterhin unheimlich, wenn nicht gar ein „Feind“.
Ilse Lücker, die im Mai 1940 in Arheilgen geboren und von ihrem Vater ermuntert wurde, zu den Falken zu gehen, lernte Carol schon beim Besuch 1953 kennen. Als damals 14Jährige Ilse Benz nahm sie am ersten Zeltlager an der Dianaburg teil. Die Freundschaft zu Carol hat die Jahrzehnte bis heute überdauert. Rückblickend auf das erste Zeltlager erzählt Ilse von den Liederabenden im Wald, an denen das alte Lied der Falken „Im blauen Hemd“ mit der Zwischenstrophe „Nie, nie woll‘n wir Waffen tragen, nie, nie woll‘n wir wieder Krieg“ mit tiefer Überzeugung am Lagerfeuer gesungen wurde. Sie berichtet aber auch von Regen, Schlamm und Morast und der Unterstützung im Kampf gegen die Wetterkapriolen durch die damalige SPD-Betriebsgruppe der Südhessischen Gas und Wasser AG, in die die Darmstädter Stadtwerke 1950 umfirmiert worden waren (heute: Entega AG).
Insgesamt fanden von 1954 bis 1980 fünf größere Sommerzeltlager der Arheilger Falken an der Dianaburg statt, an denen auch Gruppen aus England und Österreich teilnahmen. Zusätzlich schlugen die Falken regelmäßig über die Pfingstfeiertage die Zelte im Arheilger Wald auf. Mitte der 60iger Jahre wurde ein Stromanschluss erstellt und zum Jubiläumzeltlager im Sommer 1974 hoben zahlreiche Helfer der Falken entlang der Rodgaustraße den Graben für eine Wasserleitung aus.
Disco im Jagdpavillon
An dem Jubiläumszeltlager vom 19. Juli bis zum 3. August nahmen rund 150 Kinder, Helfer und Helferinnen aus Arheilgen, Messel und Enfield teil. Die pädagogische Leitung und Organisation der Lagerparlamentes der Kinder lag bei Käthes Sohn Gerd Langendorf. Liesel Lehr organisierte die Zeltlagerküche und Dieter Lehr machte mit den Kinden eine Zeltlagerzeitung. Zu den Helfenden zählten Ilse und Alfred Lücker, Marie und Hans Hecht, Helene Heldmann und Irene Metzger. Irene Metzger war schon im Juni 1953 bei der festlichen Einweihung der Dianaburg dabei. Damals trug sie ein Gedicht vor, dass der Arheilger Heimatdichter Georg Benz, das Liesje, für diesen Anlass geschrieben hatte.
Ein Höhepunkt im Lagerleben 1974 war die Disco in der Dianaburg. Zum Abschluss des Zeltlagers wurde am 3. August in einer Feierstunde in der Aula der Thomas-Mann-Schule (heute: Stadtteilschule) an die 70jährige Geschichte der organisierten Arbeiterjugend in Deutschland, dem 50. Gründungsjubiläum der Kinderfreunde und der 20jährigen Geschichte der Zeltlager an der Dianaburg erinnert.
Wenn die Arheilger Falken im Sommer nicht an der Dianaburg campten, besuchten sie die Zeltlager anderer Falken-Gliederungen in ganz Deutschland oder internationale Zeltlager in England, Skandinavien oder Österreich. Dabei kam es schon seit den 60er Jahren zu Begegnungen mit Jugendgruppen aus Osteuropa.
(Fortsetzung folgt)

Seit 1954 bis Anfang der 80er Jahre fanden Pfingst- und Sommerzeltlager der Arheilger Falken an der Dianburg statt. An den Sommerzeltlagern nahm immer eine Gruppe des „Woodcraft Folk“ aus Enfield/England teil. Immer dabei: Käthe Langendorf, hier zu sehen mit dem Delegationsleiter des Woodcraft Folk im Jubiläumszeltlager 1974 (Foto: joc vom Darmstädter Echo 8/1974 /Sammlung Martina Völger) 
Lily Pringsheim (1887-1954) nutzte ihre guten Beziehungen nach England, um dort Vorurteile gegen deutsche Kinder und Jugendliche der Falken, die 1953 an einem Zeltlager des „Woodcraft Folk“ teilnehmen wollten, aus dem Weg zu räumen. Pringsheim war von 1931 bis 1933 sozialdemokratische Landtagsabgeordnete in Hessen. Hier spricht sie im Sommer 1932 im Biergarten des Löwen. Sie überlebte den Nationalsozialismus im Exil (Foto: AGV). 
Ilse Lücker, eine geborene Benz, und Carol Hopwood lernten sich 1953 als Jugendliche in Arheilgen kennen. Carol gehörte zu einer Gruppe des Woodcraft Folk in Enfield, die die Arheilger Falken kennenlernen und das Zeltlagergelände an der Dianaburg erkunden wollten. Freundschaften aus diesen Jahren hielten und halten ein Leben lang (Foto: Ilse Lücker). 
Martina und Heike Völger waren bei den Arheilger Falken und nahmen 1974 am Jubiläumszeltlager an der Dianaburg teil. Auf dem Weg zum Essenszelt transportiert Martina Teller und Besteck im kleinen Koffer. Ihr Großvater, Wilhelm Lutz, gehörte 1931 zu den Mitbegründern der Falken in Arheilgen. Wegen seines Widerstands gegen die Willkür der Nationalsozialisten wurde er mehrere Wochen im KZ Osthofen inhaftiert (Foto: M. Völger/AGV). 
Entlang des Waldrands auf der Wiese neben der Dianaburg standen seit 1954 die Zeltdörfer der Falken. Hier ist der Dorfplatz im Jubiläumszeltlager 1974 zu sehen. Irene Metzger übt mit Kindern und Jugendlichen einen Gemeinschaftstanz ein (Foto: M. Völger).
